Mutig & schön während der Chemotherapie: Meine Erfahrungen mit Haarverlust

Der Haarverlust ist ein sichtbares Zeichen der Krankheit, welches oft mit Angst und Unsicherheit verbunden ist. Ich habe gelernt, dass es Wege gibt, mit diesem Verlust umzugehen und sich trotzdem schön und selbstbewusst zu fühlen. Gerne teile ich meine persönlichen Erfahrungen mit dir.

Ein wichtiger Schritt für mich war es, meine Haare möglichst rasch zu rasieren, bevor sie büschelweise ausfallen konnten. Dies habe ich aus meiner ersten Krebserkrankung mit 18 Jahren gelernt. Damals habe ich zu lange gewartet, bis mir ganze Büschel meiner langen Haare ausgefallen sind. Dies war emotional und auch physisch äusserst schmerzhaft. Denn was viele nicht wissen, in der aktiven Phase des Haarausfalls, kommt es meistens zu Symptomen einer Trichodynie, einem schmerzhaften Spannen der Kopfhaut («pulling»), was ich als sehr unangenehm empfunden habe. Hier empfiehlt es sich, keine reizenden Shampoos zu verwenden oder eben am besten die Haare umgehend zu rasieren, denn dann sind Shampoos nicht mehr notwendig und die Schmerzen verschwinden schneller.

Als ich mich mit 30 Jahren erneut einer Chemotherapie unterziehen musste, habe ich nicht so lange gewartet und schon bei den ersten Anzeichen, ca. 20 Tage nach Beginn der Chemotherapie, sofort die Haare abrasiert. Dies mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, aber es half mir, den schmerzhaften Prozess des Haarausfalls zu verhindern. Es war befreiend, die Kontrolle über meine äußere Erscheinung zurückzugewinnen und nicht jeden Morgen büschelweise Haare auf meinem Kopfkissen vorzufinden.

Wenn möglich, empfehle ich, eine gute Freundin, Partner oder Partnerin dabei zu haben, wenn man sich die Haare rasiert oder rasieren lässt. Es kann emotional sehr hilfreich sein, jemanden an seiner Seite zu haben, der einem in diesem Moment unterstützend beisteht. Mir hat mein Mann, im Beisein meiner beiden Kinder, dazumal 1- und 3-jährig, die Haare rasiert. Die Kinder haben es seltsam aber auch irgendwie lustig gefunden, Mami ohne Haare bzw. mit ganz kurzen Stoppeln. Manchmal hilft auch Humor, um die schwierige Situation etwas aufzulockern. Schöne Perücken waren für mich eine wunderbare Möglichkeit, Freude zu finden und mich auch während der Behandlung schön zu fühlen. Ich habe mich für eine andere Frisur entschieden, einen modernen, kurzen Bob und mir so auch ein Stück Individualität bewahrt. Zudem gibt es heutzutage wunderschöne Tücher und Kopfbedeckungen, die nicht nur praktisch und bequem sind, sondern auch ein modisches Statement setzen können. Das Schminken, der fehlenden Augenbrauen oder generell das Schminken half mir, mich selbstbewusster zu fühlen und nicht so "fade" auszusehen. Es ist erstaunlich, wie ein wenig Make-up das eigene Selbstwertgefühl steigern kann. Man kann auch ohne Haare hübsch sein.

Mit Bob Perücke

Kleiner Vorteil, das Styling dauert nur 2 Minuten. Perücke auf und fertig.

Ich habe gelernt, dass Schönheit nicht nur äußerlich ist, sondern vor allem im Inneren liegt. Es geht darum, sich selbst anzunehmen, sich zu lieben und sich nicht von äußeren Veränderungen definieren zu lassen. Haarverlust mag ein Teil der Herausforderungen sein, welche eine Krebserkrankung mit sich bringt, aber er definiert nicht unsere Schönheit und Stärke. Wir sind stark, wir sind schön und sehr mutig, auch ohne Haare.

Adressen, welche ich empfehlen kann:

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Was soll man sagen, wenn jemand im Umfeld an Krebs erkrankt