Waldbaden – Ein achtsamer Spaziergang im Wald für Körper und Seele

Heute möchte ich eine Erfahrung mit euch teilen, die mir in besonders schwierigen Zeiten geholfen hat: das Waldbaden. Vielleicht habt ihr schon davon gehört – dieser Begriff stammt aus Japan („Shinrin Yoku“) und bedeutet so viel wie „Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes“. Doch es ist mehr als nur ein Spaziergang im Grünen. Es ist eine Praxis der Achtsamkeit, die uns helfen kann, Stress abzubauen, Kraft zu tanken und unsere Verbindung zur Natur wiederzuentdecken.

 

Der Wald als Ort der Heilung

Während und auch nach meiner Erkrankung habe ich oft die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, kleine Oasen der Ruhe und Regeneration zu finden. Der Wald ist für mich ein solcher Ort. Die frische Luft, das sanfte Rascheln der Blätter und das Zwitschern der Vögel haben eine beruhigende Wirkung – nicht nur auf meinen Körper, sondern vor allem auf meinen Geist. Gerade während und nach belastenden Behandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung kann diese Ruhe ein wahrer Segen sein.

Wie funktioniert Waldbaden?

Beim Waldbaden geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen oder sportliche Ziele zu erreichen. Vielmehr steht das bewusste Wahrnehmen im Mittelpunkt. Hier sind ein paar Tipps, wie ihr selbst ein achtsames Waldbad nehmen könnt:

Zeit nehmen

Plane mindestens eine Stunde ein, um den Wald wirklich auf dich wirken zu lassen.

Langsamkeit zulassen

Bewege dich langsam, spaziere ohne Ziel und lasse dich treiben.

Sinneseindrücke bewusst wahrnehmen

Wie fühlt sich der Waldboden unter deinen Schuhen an? Welche Gerüche nimmst du wahr? Wie viele verschiedene Grünnuancen kannst du entdecken? Vielleicht siehst du sogar ein Tier.

Atmen

Atme tief ein und aus. Die frische Luft des Waldes ist reich an Terpenen, die stressreduzierend wirken können.

Verbinde dich

Berühre Bäume, lausche dem Wind oder sitze einfach nur still da und spüre die Verbindung zur Natur.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Waldbaden

Die positiven Effekte des Waldbadens sind inzwischen auch wissenschaftlich gut dokumentiert. Studien zeigen, dass regelmässige Aufenthalte im Wald den Blutdruck senken, das Immunsystem stärken und das Stresshormon Cortisol reduzieren können. Gerade für Krebsbetroffene, deren Körper und Seele oft extrem beansprucht sind, kann diese natürliche Form der Entspannung eine wertvolle Ergänzung zur medizinischen Behandlung sein.

 

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich erinnere mich an einen besonders schwierigen Moment in meiner Therapiezeit, als ich mich emotional ausgebrannt und körperlich ausgelaugt fühlte. Eine gute Freundin nahm mich mit in den Wald. Zuerst war ich skeptisch: „Wie soll mir das denn helfen?“ Aber schon nach wenigen Minuten spürte ich, wie mein Atem ruhiger wurde und meine Anspannung langsam nachliess. Es war, als würde der Wald mir etwas von seiner Kraft abgeben. Seitdem ist das Waldbaden fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich habe das grosse Privileg, dass ich direkt angrenzend an einen Wald wohne und so mehrmals pro Woche zur Regeneration im Wald bin.

 

Tipps für den Einstieg

  • Suche dir einen geeigneten Ort: Ein ruhiger Waldabschnitt, fernab von Strassenlärm, eignet sich am besten.

  • Sei offen für Neues: Lass dich auf das Erlebnis ein, auch wenn es anfangs ungewohnt ist.

  • Allein oder in Gemeinschaft: Du kannst allein gehen oder dich einer Gruppe anschließen.

Abschliessende Gedanken

Waldbaden hat mir gezeigt, wie heilsam es sein kann, den Fokus von der Krankheit auf die kleinen Wunder des Lebens zu lenken. Der Wald erinnert uns daran, dass das Leben trotz aller Herausforderungen voller Schönheit ist. Ich möchte euch ermutigen, es einfach einmal auszuprobieren. Vielleicht entdeckt ihr, genau wie ich, eine neue Quelle der Kraft und Inspiration.

Der Waldduft für Zuhause

Nicht jeder hat die Möglichkeit, regelmässig einen Wald zu besuchen. Doch das bedeutet nicht, dass man auf die beruhigende Wirkung des Waldes verzichten muss. Eine schöne Alternative ist es, den Duft des Waldes nach Hause zu holen – zum Beispiel in Form eines selbstgemachten Badesalzes. Hier ein einfacher Tipp, wie ihr ein Badesalz mit Waldduft herstellen könnt:

Rezept für Waldduft-Badesalz:

Zutaten:

  • 200 g grobes Meersalz

  • 4 EL Fichten-oder Tannennadeln

  • 10 Tropfen ätherisches Öl mit Nadelholzduft (z. B. Kiefer, Tanne oder Zypresse)

  • 5 Tropfen ätherisches Zirbenöl

  • Ein Schraubglas zur Aufbewahrung

Zubereitung:

  1. Gib das Salz, die Fichtennadeln in eine Schüssel.

  2. Tropfe die ätherischen Öle darauf und mische alles gut durch.

  3. Fülle das fertige Badesalz in ein Schraubglas und bewahre es an einem trockenen Ort auf.

Anwendung: Füge 2-3 Esslöffel des Badesalzes zu einem warmen Bad hinzu, lehne dich zurück und genieße die entspannende Waldatmosphäre in deinem Zuhause.

Achtung: Bevor ihr das Badesalz oder ätherische Öle verwendet, sprecht bitte zur Sicherheit unbedingt mit eurem behandelnden Onkologen oder eurer Onkologin. Manche Behandlungen können die Haut empfindlich machen oder die Verträglichkeit bestimmter Inhaltsstoffe beeinflussen.

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